Regelkunde

Wer einen Zug zurück nimmt, klaut auch Brieftaschen

William Fenton

 

Darf man beim Schachspiel einen Zug zurücknehmen? Nach den Turnierregeln natürlich nicht!

 

Aber wenn der Gegner die Rücknahme anbietet? So geschehen bei den Europameisterschaften 2003 in Istanbul auf Großmeisterniveau. Asmaiparaschwili wollte im 25. Zug die Türme tauschen und anschließend seinen Läufer zentralisieren, griff aber offensichtlich fehl und zog zuerst den Läufer, was einen Turm - Einsteller zur Folge hatte. Sein Gegner Malachow bot darauf A. an, den Zug zurückzunehmen, und A., den Verlust vor Augen, nahm an. Am Ende gewann A. die Partie sogar und bot nun seinerseits dem Gegner beschämt ein Remis an, was M. jedoch ablehnte. Diese unglaubliche Begebenheit erinnert mich lebhaft an das erfolgreiche Tennisidol meiner Kindheit, Gottfried von Cramm (Adel verpflichtet!), der Schiedsrichter - Fehlentscheidungen zu seinen Gunsten niemals akzeptierte.

 

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Milan Matulovic genügt diesem Anspruch Goethes nur unvollkommen. Der Großmeister mit immerhin 2676 ELO - Punkten auf seinem schachlichen Höhepunkt nahm in mehreren Turnieren seine Züge unter Murmeln der hierfür nicht vorgesehenen französischen Beschwörungsformel zurück, was ihm den Spitznamen J'adubovic eintrug, manipulierte die Schachuhren und galt sogar als bestechlich; alles nachzulesen in der freien Enzyklopädie Wikipedia.

 

Helmut Giering; Literatur: Ch. Hesse, Expeditionen in die Schachwelt