Regelkunde

Unerlaubte Remisabsprachen

Nicht ohne Grund zitiere ich ein Urteil, das im Bereich des Thüringischen Landesverbandes gefällt wurde: In einem Mannschaftskampf hatten die Mannschaftsführer telefonisch ein 4 : 4 und Remis an allen Brettern abgesprochen. Der Mannschaftskampf fand nicht statt und die Sache wurde publik. Es erging folgendes Urteil:

 

Mannschaftskampf 0 : 0, beide Mannschaften erhalten 0 Mannschafts- und 0 Brettpunkte, beide Mannschaften wurden mit einer Ordnungsgebühr belegt. Beide Mannschaftsführer erhielten eine 4-monatige Spielsperre.

 

Das Gericht hatte sich allein auf unsportliches Verhalten berufen, da die dortigen TOs im Gegensatz zur TO des SBTR (Abs. VII Nr. 21) kein explizites Verbot von Remisabsprachen enthalten. Insbesondere verneinte das Thüringer Schiedsgericht ein Gewohnheitsrecht dahin gehend, dass es schon immer Praxis gewesen sei, in der letzten Runde die Ergebnisse telefonisch abzusprechen. Selbst wenn es eine solche unfaire Praxis gegeben haben sollte, entfaltet Berufung auf Unrechtshandlungen kein Gewohnheitsrecht.


Helmut Giering, Archiv Thüringer Schachbund