Regelkunde

Remis - ein Beitrag zur Regelkunde

Vorbemerkung

In diesem Beitrag wird deutlich, dass die FIDE 2004 den Schiedsrichter enorm aufgewertet hat. Im Geltungsbereich des SB Trier ist der Wettkampfleiter (im folgenden WKL) (Nrn. III 3. + 4. und VII 13.h) der TO) dem FIDE-Schiedsrichter gleichgestellt. Bei Protesten ist er erste Entscheidungsinstanz, wobei es zahlreiche Ermessensspielräume gibt.  In bestimmten Fällen kann  / muss er Zeitstrafen verhängen oder gar das Partieergebnis festsetzen. Deshalb sollten zumindest die Mannschaftsführer (im folgenden MF) und die Jugendtrainer die wichtigsten Turnierregeln kennen.

 

Die aktuellen Turnierordnung des Schachbezirks findet man hier. Und hier die aktuellen FIDE-Regeln (gültig seit 1. Juli 2009).

1. Das Remis - Angebot

Der am Zug befindliche Spieler darf Remis anbieten  nach Ausführung des Zuges auf dem Brett, jedoch vor Betätigung der Uhr. Beide Spieler vermerken das Angebot hinter dem betreffenden Zug durch ein Gleichheitszeichen in runden Klammern (=); siehe Anhang C13. der FIDE - Regeln.  Bietet ein Spieler, der nicht am Zug ist, Remis an, so gilt dieses Angebot zwar auch, kann jedoch vom Schiedsrichter als Belästigung geahndet werden, weil es in die Denkphase des Gegners fällt.  Bestraft werden können auch wiederholte Remisangebote, sofern sich der Stellungscharakter nicht inzwischen geändert hat (Artikel 12.6 FIDE).

 

Der Mannschaftsführer darf einen Spieler zur Annahme oder Abgabe eines Remis - Angebotes raten (Nr. VII 14.b TO).

2. Vereinbarung

Eine Schachpartie muss nicht immer  "ausgespielt"  werden.  Manchmal treffen zwei Spieler aus  taktischen  Erwägungen, etwa im Mannschaftsinteresse   oder wegen des Turnierstands  Remisvereinbarungen (Art. 5.2 c FIDE). Eine derartige Vereinbarung gilt sofort, beendet die Partie und ist unwiderruflich; Bedingungen sind unzulässig. "Sofort"   bedeutet  unmittelbar nach Annahme des Angebotes,  auch wenn das Blättchen bereits wackelt; die  Uhr muss also nicht mehr betätigt werden.  Ein zunächst übersehener, dann jedoch bemerkter Gewinnzug berechtigt nicht zum Widerruf.  Eine Remis - Vereinbarung unter der Bedingung, dass auch am Nebentisch die Punkte geteilt werden, bleibt auch dann bestehen, wenn die Zusage für das Nachbarbrett nicht eingehalten wird!

3. Patt und "tote Stellung"

remis-pos1Wird durch einen regelgemäßen Zug eine Pattstellung herbeigeführt,  beendet dieser Zug die Partie sofort. Das Remis gilt auch dann, wenn dieser Umstand erst später bemerkt wurde, selbst wenn das Blättchen inzwischen gefallen ist. Patt - natürlich auch Matt - geht vor Blättchenfall (Art. 5.2 a FIDE).

 

Gleiches gilt für die "tote Stellung". Eine solche Stellung ist entstanden, wenn keiner der Spieler den gegnerischen König mit irgendeiner Folge von regelkonformen Zügen mattsetzen kann. Der Zug, der eine tote Stellung herbeiführt, beendet die Partie sofort (Art. 5.2 b FIDE).   Das folgende Diagramm zeigt eine tote Stellung, etwa durch den Zug  „b3 - b4“ herbeigeführt:



4. Dreimalige Stellungswiederholung / 50 - Züge - Regel

Ist dieselbe Stellung soeben mindestens zum dritten Mal entstanden   oder wird sie sogleich entstehen,  kann der am Zug befindliche Spieler Antrag auf Remis stellen  (Remisangebot, Art. 9.2 FIDE). Die Stellungswiederholungen können, müssen aber nicht unmittelbar aufeinander folgen. Wird die 3. Wiederholung als solche nicht gleich erkannt, kann auch nach der vierten usw. Wiederholung noch Remis wegen Stellungswiederholung beantragt werden.

 

Wenn die letzten 50 aufeinander folgenden Züge eines jeden Spielers gemacht wurden, ohne dass ein Bauer gezogen  oder eine Figur geschlagen worden ist ,  kann der am Zug befindliche Spieler Antrag auf Remis stellen (Art. 9.3 FIDE).

 

Der Antragsteller hält beide Uhren an und ruft den Schiedsrichter herbei.   Er ist nicht berechtigt, seinen Antrag zurückzunehmen. Bei  ungerechtfertigtem  Antrag fügt der Schiedsrichter 3 Minuten zur verbliebenen Bedenkzeit des Gegners hinzu. Dem Antragsteller werden - abhängig von seiner Bedenkzeit - bis zu 3 Minuten abgezogen (Art. 9.5 b FIDE).

5. Zeitnot

Fällt das Blättchen eines Spielers, ehe die vorgeschriebene Anzahl der Züge  durch Betätigung der Uhr vollständig abgeschlossen wurde, ist die Partie in der Regel verloren. Die Partie ist jedoch auf Antrag remis, wenn der Gegner den König des Spielers selbst bei ungeschicktestem Gegenspiel nicht mattsetzen kann (sogen. Hilfsmattregel), Art. 6.9 FIDE. Der Gegner muss also den Schiedsrichter davon überzeugen, dass er eine Mattstellung konstruieren kann, indem er abwechselnd   die Steine des Spielers   und seine eigenen zieht. Die Regel verfolgt das Ziel, unsportliches „Spiel auf Zeit“ zu verhindern.

 

remis-pos2Am folgenden Diagramm soll diese Regel erläutert werden: Das Blättchen ist bei Weiß gefallen, der sogleich auf Remis reklamiert, weil er ja einen Mehrbauern hat und ungleichfarbene Läufer im Spiel sind.

 

Ein Mattbild kann jedoch leicht konstruiert werden:


h7 - Ke7,·· Lb3 - Kf8,·· Lc4 - Ld4 !·· "Ich würde doch nicht" zählt hier nicht mehr.

 

Sind allerdings beide Blättchen gefallen, ohne dass die Reihenfolge feststellbar ist, so wird die Partie fortgesetzt (Art. 6.11 a FIDE) bzw. ist sie remis (Endspurt, 6.12 b FIDE).

 

Für Blitz- und Schnellschach gelten einige abweichende Regeln (Anhänge A und B der FIDE-Regeln).

6. Endspurt

Wird nach dem Aufschub-Modus gespielt (Art. 6.2 b FIDE) - auch Fisher-Modus genannt -, gibt es keinen Endspurt. Sonst gilt folgendes:

 

Hat ein Spieler in der Schlussphase der Partie weniger als 2 Minuten Restbedenkzeit, so kann er Remis beantragen,  indem er beide Uhren anhält und den Schiedsrichter herbeiruft. Der Antragsteller kann zwei Gründe anführen:

 

a) der Gegner unternimmt keine Anstrengungen, die Partie mit normalen Mitteln zu gewinnen  (z. B. planloses Hin - und Herziehen ) ;

 

b) die Partie ist mit normalen Mitteln nicht zu gewinnen (Art. 10.2 FIDE).

 

Der Schiedsrichter hat nun 3 Entscheidungsmöglichkeiten; s. a. zu Nr. 3 „Turnierregeln für die Praxis“! Sind beide Blättchen gefallen und ist die Reihenfolge nicht nachweisbar, ist die Partie remis.

 

Es geht beim 10.2 nicht darum, ob der Antragsteller theoretisch, bei bestem Spiel, remis halten kann. Es geht darum, ob die Möglichkeiten für Fehler so gering sind, dass ihm zugetraut werden kann, auch in höchster Zeitnot   bei sehr ungeschicktem Spiel keine Fehler zu machen.

 

Zur Erläuterung dieser komplizierten Regel nun 3 Diagramme:

 

remis-pos3Weiß reklamierte remis,  doch der Schiedsrichter reagierte wegen der laufenden Uhr nicht. [Seit 2009 müssen die Uhren nicht mehr angehalten werden, dürfen aber] Die Partie wurde fortgesetzt; Weiß verlor wegen ZÜ.










remis-pos4Hier die Schlussstellung :

 

Wie wäre zu entscheiden gewesen, wenn Weiß vorschriftsmäßig remis reklamiert hätte und der Schiedsrichter auf Weiterspielen unter Aufsicht entschieden hätte?

 

Nach Blättchenfall muss der Schiedsrichter auf remis entscheiden, da kein Fortschritt in Richtung  "Festnageln am Rand" erzielt wurde.







remis-pos5Ein letztes Beispiel : 

 

Schwarz am Zug reklamiert in hoher Zeitnot remis,  doch der Schiedsrichter lässt zu Recht weiterspielen, denn er kann einen Zug wie   Lc1??   nicht von vornherein ausschließen, der wegen Tc3! wohl verlieren würde.







7. Stellungen, die "tot - remis" sind.

remis-pos6Hier handelt es sich im Gegensatz zu Abschnitt 3 nur um "scheintote"  Stellungen. Die Partie ist remis, sobald eine Stellung entstanden ist, aus welcher ein Matt durch keine erdenkliche Folge von regelgemäßen Zügen, selbst bei ungeschicktestem Gegenspiel, erreichbar ist. In Frage kommen Stellungen  Figur / Bauer,  Figur & Bauer / Bauer,  zwei Springer / Bauer,  Turm / Leichtfigur.   Der Schiedsrichter sollte  beim leisesten  Zweifel weiterspielen lassen. Im Gegensatz zu Art. 10.2 (Abschnitt 6) gibt es hier (Art. 9.6 FIDE) keinen Spielraum. Zu beurteilen ist nur, ob ein Matt noch möglich ist oder nicht.





remis-pos7Zur Illustration ein Beispiel : Weiß spielte S d1 und fordert remis wegen ...b1 D, Sc3 +   L x c3 = patt.  Schwarz antwortet aber  b1 L!! 

 

Nun steht ein für Schwarz theoretisch gewonnenes Endspiel auf dem Brett. Diese Stellung muss daher weitergespielt werden. Hier gibt es noch zahlreiche Fehlermöglichkeiten. Bei korrektem Spiel endet die Partie aber ebenfalls remis (50 Züge Regel, Abschnitt 4), da das Matt erst in 70 Zügen erreichbar ist.

Wem das alles zu kompliziert ist, dem bleibt nur übrig, konsequent auf Sieg zu spielen.